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Umschlag/Verschiffung von Siemens Lokomotiven für Australien

Unterschiedliche australische Eisenbahngesellschaften hatten bei der Siemens AG diverse Lokomotiven des Typs CLASS 7100 in individueller Konzeption bestellt.

„Pro Drehgestell wird je eine Stahlkonstruktion verwendet, die dann auf den vorgenannten Stütztonnen ruht.“

Die Atlantik Hafenbetriebe sorgten maßgeblich für ein logistisches Gesamtkonzept sowie für den reibungslosen Umschlag und die sichere Schiffsverladung in Bremerhaven.

Die in Queensland ansässigen Gesellschaften betreiben den Schienentransport von Kohle und Erz von den inländischen Minen zu unterschiedlichen Häfen an der Küste. Die Ganzzüge haben ein Transportgewicht bis zu 7.000 Tonnen und mussten bisher mit 4 Lokomotiven gezogen werden. Die Betreiber wollen durch die Anschaffung der neuen Lokomotiven mindestens ein Zugfahrzeug pro Transport einsparen. Um die nötige Traktion zu gewährleisten, wurde der Einbau von einem 3. Drehgestell gewählt. Die Bahngesellschaften betreiben den Güterverkehr auf Schmalspurschienen. Das Gesamtgewicht der im Werk München produzierten Lokomotiven beträgt 132.000 kg.

Die Siemens AG bildete eine Expertengruppe, um die Logistikkette vom Werk München bis zum Depot Brisbane festzulegen. Im Verbund mit der Reederei sowie mit dem Projektspediteur waren wir für folgende Projektschritte verantwortlich:

  1. Annahme der per Binnenschiff in Bremerhaven anzuliefernden Lokomotiven
  2. Koordination der Entlöschung der Lokomotiven aus Binnenschiff mittels geeigneter Landkrane inkl. Personal 
  3. Entwicklung/Bau von Stahlkonstruktionen (Beams) zur Aufnahme der Drehgestelle sowie Bereitstellung von Stahltonnen (Blocks) zur Aufnahme der Lokomotiven
  4. Vorbereitender Aufbau der nötigen Blocks&Beams im Hafen vor Entlöschung
  5. Koordination und Gestellung von SPMT-Schwerlastfahrzeug
  6. Erstellung von einem Hebe- und Laschkonzept für diese Projektverladungen

 

Folgende Lösungen wurden erarbeitet:

 

1. Vortransport München – Bremerhaven

Aufgrund Spurweite und Gewicht wird eine Variante LKW ab München und Binnenschiff ab Mannheim gewählt. Der Flusstransport von möglichst 2 Lokomotiven pro Binnenschiff von Mannheim nach Bremerhaven dauert ca. 7 Tage, so dass ausreichend Zeit zur Vorbereitung der Entlöschung zur Verfügung steht.

2. Koordination der Entlöschung

Alle am Umschlag beteiligten Unternehmen  sind rechtzeitig bezüglich Liegeplatz, Personal und Gerät zu informieren. Mit dem Binnenschiff ist regelmäßig Kontakt zu halten. Die nötige Hafendokumentation ist rechtzeitig und umfänglich zu erledigen. Für das Löschen der Lokomotiven wird jeweils rechtzeitig der Tag und die Stunde festgelegt, so dass die nötigen Vorbereitungen zur Disposition von Gerät und Personal gewährleistet sind.

3. Entwicklung und Bau von Stahlkonstruktionen für Umschlag und Transport

Die Verladung der Lokomotiven von Bremerhaven nach Brisbane erfolgt per RoRo-Schiff. Da keine vorhandene Standardsysteme für einen rollenden Umschlag zur Verfügung stehen, müssen spezielle Stahlkonstruktionen entwickelt und gebaut werden. Der Transport vom Stellplatz Terminal bis an Bord des Seeschiffes erfolgt mittels spezieller Fahrzeuge, die hydraulisch abgesenkt bzw. hochgefahren werden. Um eine Unterfahren bzw. ein Absetzen der Lokomotiven mit diesem Fahrzeug zu ermöglichen, wird eine Stützkonstruktion aus Stahltonnen sowohl an der Pier als auch später im Schiff gewählt. 

Pro Drehgestell wird je eine Stahlkonstruktion verwendet, die dann auf den vorgenannten Stütztonnen ruht. In dieser Position ist dann ein Unterfahren mittels Hydrauliktrailer (SPMT) möglich.

4. Gestellung von Hydrauliktrailer (SPMT)

Für die nötigen Transporte von der Kaje in das jeweilige RoRo-Schiff wurde ein 12-achsiger-SPMT gewählt. Dieses Fahrzeug hat die Möglichkeit, zum Heben und Absenken der Lastplattform. Die niedrigste Bauhöhe beträgt 950 mm; als maximale Höhe sind 1.350 mm möglich. Somit besteht ausreichend Möglichkeit, zur Lastaufnahme bzw. zum Absetzen der Lokomotiven auf Stütztonnen. Als Achslast sind je 36 Tonnen anzunehmen, so dass ausreichende Tragfähigkeit gegeben ist. Die SPMT-Einheiten sind außerordentlich wendig, da im Prinzip jede Achse angesteuert werden kann. Da an Bord punktgenau abzusetzen ist, ist ein derartiges Fahrzeug ideal für derartige Operationen.


5. Ladungssicherung

Die Lokomotiven sind sowohl für den Seetransport als auch für alle Terminalbewegungen ausreichend zu sichern. Im Verbund mit dem Hersteller wurden die nötigen Laschpunkte konstruktiv bestimmt. Zusammen mit der Reederei sowie den eingeschalteten Sachverständigen wurde geeignetes Material ausgewählt und ein Lasch- und Verzurrplan erarbeitet.

Diese Projektverladungen wurden von Anfang an ohne besondere Probleme abgewickelt und werden uns noch die nächsten Jahre beschäftigen.